Testament erstellen — letzter Wille
Wie Sie Ihren Nachlass regeln, Ihre Liebsten schützen und Streit vermeiden. Alles über Arten, Kosten, Pflichtteil und rechtliche Fallstricke.
Mehr erfahrenWas ist ein Testament?
Ein Testament ist eine einseitige, widerrufliche Verfügung von Todes wegen. Sie ermöglicht es, den eigenen Nachlass nach dem persönlichen Willen zu verteilen — unabhängig von den gesetzlichen Erbfolge. In Deutschland gilt das Prinzip der Testierfreiheit: Jeder kann grundsätzlich frei über sein Vermögen verfügen, muss aber den gesetzlichen Pflichtteil beachten.
Etwa 55 % der Deutschen haben kein Testament. Doch gerade bei Vermögen, Immobilien oder patchwork Familien ist eine klare Regelung unverzichtbar. Ohne Testament entscheidet das Gesetz — nicht der Wille des Verstorbenen.
Was bedeutet das für Sie?
- 01 Sie bestimmen wer erbt
- 02 Sie schützen Ihren Partner
- 03 Sie vermeiden Erbstreit
- 04 Sie sparen Erbschaftssteuer
Testament in Zahlen
Fakten zur Testamentserstellung in Deutschland
Quellen: Deutscher Notarverein (2024), Statistisches Bundesamt
Arten des Testaments
Die vier wichtigsten Formen im Überblick
Eigenhändiges Testament
Sie schreiben es selbst von Hand, unterschreiben und datieren. Kostenlos, aber riskant: Formfehler machen es unwirksam. Aufbewahrung beim Nachlassgericht oder zu Hause.
Notarielles Testament
Der Notar erstellt und bewahrt es. 100 % formell korrekt, manipulationssicher. Kosten: ca. 250–500 € je nach Vermögen. Empfohlen bei komplexen Nachlässen.
Berliner Testament
Gemeinschaftliches Testament von Ehepaaren: Der Überlebende erbt zuerst alles, die Kinder erst nach dem zweiten Tod. Schützt den Partner, verzögert aber die Kindererbfolge.
Erbvertrag
Zweiseitige Vereinbarung zwischen Erblasser und Erbe. Nicht einseitig widerrufbar — nur gemeinsam änderbar. Seltener, aber verbindlicher als ein Testament.
— Dietmar von der Pfordten, Rechtswissenschaftler

Eigenhändiges Testament
Ein eigenhändiges Testament muss laut § 2247 BGB komplett von Hand geschrieben werden — Ausdrucke oder Vorlagen sind unwirksam. Sie müssen Ort und Datum nennen, sowie Ort, Datum und Ihre Unterschrift setzen. Wichtig: Nummerieren Sie die Seiten und vermerken Sie „Fortsetzung auf Seite 2", um spätere Einwände auszuschließen.
Aufbewahrung: Entweder bei Ihnen zu Hause (Achtung: Brand, Diebstahl), beim Nachlassgericht oder beim Notar. Wenn Sie es beim Nachlassgericht hinterlegen, wird es automatisch nach dem Tod gefunden.

Berliner Testament
Das Berliner Testament ist die beliebteste Form bei Ehepaaren und eingetragenen Lebenspartnerschaften. Der überlebende Partner erbt das gesamte Vermögen, die Kinder erst nach dem Tod des zweiten Elternteils. So ist der Partner wirtschaftlich abgesichert und kann im gemeinsamen Haus leben bleiben.
Nach § 2269 BGB gilt der Vorrang des überlebenden Ehegatten. Kinder erhalten aber einen Pflichtteilanspruch, der nach dem ersten Tod berechnet wird. Tipp: Berücksichtigen Sie den Pflichtteil, um spätere Streitigkeiten zu vermeiden. Eine sogenannte „Wiederverheiratungsklausel" kann verhindern, dass ein neuer Partner alles erbt.

Pflichtteil & Enterbung
Der Pflichtteil beträgt die Hälfte des gesetzlichen Erbteils (§ 2303 BGB). Bei zwei Kindern würde jedes gesetzlich ein Viertel erben — der Pflichtteil ist also ein Achtel. Sie können Kinder nicht völlig enterben, nur unter strengen Voraussetzungen (§ 2333 BGB): schwerwiegende Verfehlungen wie vorsätzliche Tötung, schwere Körperverletzung oder langjährige Weigerung der Unterhaltszahlung.
Wenn Sie den Pflichtteil mindern wollen, können Sie Schenkungen zu Lebzeiten machen oder Vermögen in einer Stiftung anlegen. Doch Achtung: Schenkungen innerhalb von 10 Jahren vor dem Tod werden auf den Pflichtteil angerechnet (§ 2325 BGB). Früher Schenken = besser für die Erbfolge.
Was kostet ein Testament?
Kostenvergleich: Eigenhändig, notariell, Erbvertrag
Kosten nach Gebührenordnung für Notare (GNotKG), Stand 2026. Komplexe Nachlässe (Immobilien, Firmenanteile) können höher liegen.
7 Praxis-Tipps
So erstellen Sie ein wirkungsvolles Testament
Handschriflich & vollständig
Jedes eigenhändige Testament muss komplett von Ihrer Hand geschrieben sein. Ausdrucke, elektronische Texte oder teilweise vorgefertigte Formulare sind unwirksam.
Datum & Ort nicht vergessen
Ohne Datum und Ort ist das Testament nichtig. Bei mehreren Testamenten gilt immer das Neueste — das Datum ist also entscheidend.
Berliner Testament mit Klauseln
Ergänzen Sie eine Wiederverheiratungsklausel und eine Schlusserbeneinsetzung. So bleibt der Nachlass in der Familie.
Testamentsvollstreckern einsetzen
Ein Testamentsvollstrecker verwaltet den Nachlass, bis die Erben bereit sind. Besonders bei Minderjährigen oder komplexen Vermögen sinnvoll.
Regelmäßig prüfen
Heirat, Scheidung, Geburt, Tod eines Erben — alle diese Ereignisse sollten Sie zum Anlass nehmen, Ihr Testament zu überprüfen.
Vermögensübersicht anlegen
Erstellen Sie eine separate Liste mit Konten, Versicherungen, Immobilien, Schmuck und digitalen Vermögenswerten. Nicht ins Testament, aber für den Erben wertvoll.
Notar bei Komplexität
Bei Immobilien, Firmenanteilen, Auslandsvermögen oder Patchwork-Familien ist ein Notar unverzichtbar. Formfehler sind teurer als die Notargebühr.
Häufige Fragen
Antworten auf die wichtigsten Testament-Fragen
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„Holograph"
Ein eigenhändiges Testament nennt man „Holograph" — vom griechischen „ganz eigenhändig geschrieben". Nur in Deutschland und wenigen anderen Ländern ist diese Form zulässig.
Online-Testament?
Seit 2022 ist in Deutschland auch das elektronische Testament per Video-Identifikation beim Notar möglich. Aber: Ein „Online-Testament" ohne Notar bleibt weiterhin unwirksam.
Nacherbeneinsetzung
Sie können bestimmen, dass ein Erbe nur vorerbt und nach einem bestimmten Ereignis (z. B. Tod des Vorerben) ein anderer erbt. So bleibt Vermögen über Generationen in der Familie.
Erbschaftssteuer-Freibeträge
Kinder erhalten 400.000 € steuerfrei, Enkel 200.000 €, Ehegatten 500.000 €. Mit einem Testament können Sie diese Freibeträge optimal ausnutzen.