Digitaler Nachlass regeln

Social Media, E-Mail, Cloud, Streaming, Mobilfunk — was wird gelöscht, was bleibt. Alle Online-Accounts, Cloud-Speicher, E-Mail-Konten und digitale Vermögenswerte verwalten. Mit Anleitung für Facebook Gedenkstatus, Google Inactive, Apple Digital Legacy und Passwort-Manager.

Verwaltung digitaler Konten und Daten auf einem Computerbildschirm
EINSTIEG

Der digitale Nachlass in 3 Sätzen

Nach dem Todesfall gehören auch alle Online-Accounts zum Nachlass: Social Media Profile, E-Mail-Konten, Cloud-Daten, Streaming-Abonnements und mobile Verträge. Jeder digitale Account hat eigene Regeln für die Kündigung, Sperrung oder Übertragung.

Die gute Nachricht: Viele Plattformen bieten spezielle Funktionen für verstorbene Nutzer — von Facebook Gedenkstatus über Google Inactive Account Manager bis zum Apple Digital Legacy. Diese Seite zeigt Ihnen, wie Sie Ordnung in die digitale Welt des Verstorbenen bringen.

DIE ERSTEN SCHRITTE

In 3 Schritten: Social Media Accounts verwalten

Jede Plattform hat eigene Regeln — von Facebook Gedenkstatus über Google Inactive bis zum Apple Digital Legacy. Diese Schritte sind in den ersten 14 Tagen nach dem Tod zu erledigen.

Facebook Gedenkstatus

Facebook Gedenkstatus einrichten

Facebook bietet einen speziellen Gedenkstatus — das Profil bleibt sichtbar, aber niemand kann es mehr nutzen. Antrag über das Hilfecenter mit Sterbeurkunde und Nachweis der Beziehungsverbindung.

Google Inactive Account

Google Inactive Account Manager

Gmail, Google Drive und andere Google-Dienste: Falls der Nutzer den Inactive Account Manager nicht eingerichtet hat, kann der Erbe das Konto über das Todesfall-Formular sperren lassen. Benötigt wird Sterbeurkunde, Ausweis und Verwandtschaftsnachweis.

Apple Digital Legacy

Apple Digital Legacy - Legacy Contact

iCloud, Photos, Drive und andere Apple-Dienste: Apple bietet seit 2022 den Legacy Contact an — einen benannten Bevollmächtigten, der nach dem Tod Zugriff erhält. Falls nicht eingerichtet, Erben über das Digital Legacy-Formular mit Gerichtsbestätigung.

Digitale Konten nach dem Tod zu verwalten ist mühsam — aber jeder gesperrte Account bringt Klarheit und Entlastung.
Aus der Trauerbegleitung
E-Mail-Konto Verwaltung
WICHTIG

E-Mail-Konten: Der Schlüssel zum digitalen Nachlass

E-Mail-Konten sind der Schlüssel zum digitalen Nachlass — über sie lassen sich oft noch weitere Konten rekonstruieren. Gmail, GMX, Web.de und Outlook haben jeweils eigene Regeln für die Sperre oder Kündigung.

Die wichtigsten Anbieter:

Pro Tipp: Falls das Passwort bekannt ist, sichern Sie die E-Mails (z. B. per IMAP-Export), bevor Sie das Konto sperrieren lassen. Die Rechte an E-Mails gehen mit dem Tod nicht automatisch auf die Erben über.
Cloud-Speicher verwalten
WICHTIG

Cloud-Speicher: Daten sichern und übertragen

Cloud-Speicher wie iCloud, Google Drive und Dropbox enthalten oft sensible Daten — Fotos, Dokumente, Steuerunterlagen. Die Anbieter bieten unterschiedliche Lösungen für Erben an.

Die wichtigsten Anbieter:

Pro Tipp: Falls der Verstorbene die Zwei-Faktor-Authentifizierung aktiviert hatte, ist ein Zugriff fast unmöglich — der Zugriff auf das hinterlegte Handy ist dann Voraussetzung.
CHECKLISTE

Alle 30 Account-Typen: Ihre digitale Übersicht

Diese Tabelle zeigt alle gängigen Account-Typen, die Sie nach dem Tod verwalten müssen — mit Filtern für Social, Mail, Cloud, Streaming und Mobilfunk.

Facebook

Social Media — Gedenkstatus einrichten oder Profil löschen.

Instagram

Social Media — Verifizierte Verwandte können Konto in Gedenkstatus versetzen oder löschen.

X (Twitter)

Social Media — Konto mit Sterbeurkunde sperren lassen — kein offizieller Gedenkstatus.

LinkedIn

Professionelles Netzwerk — Memorialization-Funktion, Profil bleibt als "In Gedenken an" sichtbar.

XING

Professionelles Netzwerk (DE/AT/CH) — Konto mit Sterbeurkunde sperren oder löschen.

WhatsApp

Chat-Nachrichten — verschlüsselt, keine direkte Übertragung. Konto nach 12 Monaten Inaktivität löschen.

Gmail (Google)

E-Mail-Dienst — Inaktivitäts-Manager vorbelegbar, sonst Todesfall-Formular mit Sterbeurkunde.

GMX

E-Mail-Dienst — Kündigung mit Erbschein, Notarielles Verzeichnis und Sterbeurkunde.

Web.de

E-Mail-Dienst — Kündigung mit Erbschein, Konten werden nach 6–12 Monaten gelöscht.

Outlook (Microsoft)

E-Mail-Dienst — Konto-Löschung mit Sterbeurkunde und Erbschein, Bearbeitung 5–7 Werktage.

Proton Mail

Privater E-Mail-Dienst — Konto mit Sterbeurkunde und Erbschein kündigen lassen.

Google Drive

Cloud-Speicher — Inaktivitäts-Manager vorbelegbar, sonst Google-Todesfall-Formular.

iCloud (Apple)

Cloud-Speicher — Legacy Contact einrichten oder Digital Legacy-Formular mit Gerichtsbestätigung.

Dropbox

Cloud-Speicher — Kontoübertragung oder -löschung nach Vorlage von Sterbeurkunde und Erbschein.

OneDrive (Microsoft)

Cloud-Speicher — Konto mit Sterbeurkunde und Erbschein kündigen lassen.

mega.nz

Cloud-Speicher — Konto mit Sterbeurkunde und Erbschein kündigen lassen.

Dropbox Business

Cloud-Speicher für Unternehmen — Kontoübertragung mit Erbschein möglich.

Netflix

Streaming-Dienst — Konto mit Sterbeurkunde kündigen. Keine Übertragung von Inhalten.

Spotify

Streaming-Dienst — Konto mit Sterbeurkunde und Ausweis löschen. Keine Datenübertragung.

Amazon Prime

Streaming & E-Commerce — Prime-Abonnement kündigen, digitale Inhalte können übertragen werden.

Disney+

Streaming-Dienst — Konto mit Sterbeurkunde kündigen. Keine Übertragung von Inhalten.

Apple Music

Streaming-Dienst — Konto mit Sterbeurkunde löschen. Keine Übertragung von Inhalten.

Sky

Streaming-Dienst — Konto mit Sterbeurkunde kündigen.

Telia (Deutschland)

Mobilfunkvertrag — Kündigung mit Erbschein, Vertrag bis zum Monatsende beendet.

Telekom

Mobilfunkvertrag — Spezielles Todesfall-Formular online, Vertrag bis zum Monatsende beendet.

Vodafone

Mobilfunkvertrag — Spezielles Todesfall-Formular online, Vertrag bis zum Monatsende beendet.

O2

Mobilfunkvertrag — Spezielles Todesfall-Formular online, Vertrag bis zum Monatsende beendet.

DHL Paket

Online-Handel — Konto löschen oder Adressdaten aktualisieren.

eBay

Online-Handel — Konto mit Sterbeurkunde kündigen oder löschen.

Amazon.de

Online-Handel — Account bleibt aktiv bis zur manuellen Löschung, alle Abonnements kündigen.

ZAHLEN & FAKTEN

Digitaler Nachlass in Zahlen

15–30
Online-Accounts pro Nutzer
12–24
Monate Inaktivität bis Löschtung
7
Tage bis Kündigung aller Abonnements
4
Kategorien: Social/Mail/Cloud/Streaming
DIE BESTE LÖSUNG

Passwort-Manager mit Erblasser-Funktion

Digitale Vorsorge ist unerlässlich — ein Passwort-Manager mit Erblasser-Funktion sichert den Zugriff für Ihre Erben. Wir empfehlen folgende Anbieter:

1Password: "Emergency Access" — bei Inaktivität (meist 30–90 Tage) wird der Kontakt benachrichtigt und erhält Zugriff. Die Daten sind Ende-zu-Ende verschlüsselt.
Bitwarden: "Inheritance" — seit 2024 automatische Erblasser-Funktion. Der Erbe wird nach dem Tod zum Besitzer des Vaults.
LastPass: "Emergency Access" — der Erbe muss einen "Access Request" stellen, der von einem Administrator genehmigt werden muss.
KOSTEN & ENTWICKLUNG

Wie dringend ist was? Die 4 Frist-Phasen

Tag 1–3 (sofort) 25%

Sterbeurkunde beantragen, Bestatter beauftragen, alle Social Media Konten sperrt, E-Mail-Konten sichern

Woche 1–2 30%

Erbschein beantragen, Versicherungen melden, Mobilfunkverträge kündigen, Cloud-Speicher sichern

Monat 1–3 30%

Streaming-Abonnements kündigen, Bankverbindungen abwickeln, Erbschaftssteuererklärung prüfen

Monat 3–6 15%

Restkonten auflösen, Rechnungen überprüfen, digitalen Nachlass dokumentieren

FRISTEN-ÜBERSICHT

Die 5 wichtigsten Fristen für digitale Konten

Welche Frist ist JETZT dran? Eine Wand mit allen Fristen — von der sofortigen Sperre bis zur langfristigen Planung.

24–72 Stunden

Social Media sperren
Facebook, Instagram, X — Gedenkstatus einrichten oder Profil löschen. Sofort nach dem Tod.

1 Woche

Sterbeurkunde & Erbschein beantragen
Standesamt und Amtsgericht für alle weiteren Kontozugriffe.

2 Wochen

Alle Streaming-Abonnements kündigen
Netflix, Spotify, Amazon Prime — sofort kündigen, um unnötige Kosten zu vermeiden.

1 Monat

Mobilfunkverträge kündigen
Telekom, Vodafone, O2 mit Todesfall-Formular — Vertrag bis zum Monatsende beendet.

3–6 Monate

Cloud-Speicher sichern
Google Drive, iCloud, Dropbox — Daten exportieren, bevor Konten gelöscht werden.

PRAXIS-TIPPS

6 Tipps für den digitalen Nachlass

01

Passwort-Manager mit Erblasser-Funktion nutzen

1Password, Bitwarden und LastPass bieten "Emergency Access" — der Erbe erhält nach dem Tod Zugriff auf alle Passwörter.

02

Digitalisierungsverzeichnis anlegen

Eine Tabelle mit allen Konten, Passwörtern und Sicherheitsfragen. Bewahren Sie dieses Dokument bei einem Notar oder in einem sicheren Cloud-Speicher auf.

03

Alle Streaming-Abonnements sofort kündigen

Netflix, Spotify, Amazon Prime — vermeiden Sie unnötige Kosten durch Automatik-Verlängerungen. Die meisten Anbieter akzeptieren die Sterbeurkunde per Scan.

04

Cloud-Daten vor der Kündigung sichern

Exportieren Sie alle wichtigen Daten (Fotos, Dokumente) bevor Sie die Konten löschen. Viele Anbieter löschen die Daten nach 12–24 Monaten Inaktivität.

05

Facebook Gedenkstatus einrichten

Das Profil bleibt sichtbar, aber niemand kann es mehr nutzen — ideal für die Trauerzeit. Antrag über das Hilfecenter mit Sterbeurkunde.

06

Digitalvollmacht in Vorsorgevollmacht benennen

Wer einen Todesfall miterlebt hat, weiß: Ohne Digitalvollmacht wird die Verwaltung des digitalen Nachlasses zur Qual. Aktualisieren Sie Ihre Vollmacht.

HÄUFIG GEFRAGT

Häufige Fragen zum digitalen Nachlass

Nein — Sie können es zunächst in einen Gedenkstatus versetzen oder sichern. Die endgültige Löschung kann später erfolgen, sobald alle Daten gesichert sind.

In der Regel Sterbeurkunde, Erbschein und Ausweis des Erben. Einige Anbieter akzeptieren auch einen Notariellen Verzeichnis oder eine beglaubigte Kopie.

Die meisten Anbieter löschen die Daten nach einer gewissen Zeit (meist 12–24 Monate Inaktivität). Falls Sie die Daten sichern möchten, tun Sie dies vor der Kündigung.

Nein — der Zugriff ist nur für den Verstorbenen bestimmt. Der Weiterbetrieb ist rechtswidrig und kann zu strafrechtlichen Konsequenzen führen.

Falls der Verstorbene einen Passwort-Manager mit Erblasser-Funktion genutzt hat, kann der Erbe Zugriff erhalten. Andernfalls ist ein Notarielles Verzeichnis erforderlich.

Einige Bestatter bieten digitale Nachlass-Service-Pakete ab 100 Euro an. Alternativ können Sie die Konten selbst verwalten — erfordert aber Zeit und Recherche.

Weitere Informationen

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15–30 Online-Accounts: Jeder Nutzer hat durchschnittlich 15–30 digitale Konten

12–24 Monate: Meist nach dieser Inaktivitätszeit werden Konten automatisch gelöscht

30–90 Tage: Bei 1Password ist der Emergency Access nach dieser Zeit aktiv

5–8 Sterbeurkunden: Pro Behörde eine beglaubigte Kopie nötig